LEITFADEN · KI-SICHTBARKEIT · GEO / AEO
In ChatGPT gefunden werden: was Unternehmen dafür wirklich tun können
Immer mehr Menschen stellen ihre Kaufentscheidung nicht mehr Google, sondern einem Assistenten: „Welche Firma in meiner Nähe macht das?" Die Antwort enthält zwei, drei Namen – und alle anderen kommen nicht vor. Nicht auf Platz acht. Gar nicht.
Dieser Leitfaden erklärt, wie diese Systeme entscheiden, wen sie nennen, welche sieben Hebel tatsächlich etwas bewegen, und welche verbreiteten Ratschläge nichts bringen.
Lesezeit etwa 10 Minuten · Aus eigener Messpraxis, mit Zahlen und mit Einschränkungen
Inhalt
Wie ChatGPT entscheidet, welche Unternehmen es nennt
Der häufigste Irrtum: dass ein Sprachmodell „Ihre Website liest" und daraus eine Empfehlung formt. So läuft es meistens nicht.
Wenn jemand nach einem Anbieter fragt, passiert in der Regel eines von zwei Dingen. Entweder das Modell antwortet aus dem, was es beim Training über die Welt gelernt hat – dann zählt, wie oft und in welchem Zusammenhang Ihr Unternehmen im offenen Netz erwähnt wurde. Oder es sucht live im Web und fasst die Ergebnisse zusammen – dann zählt, welche Seiten es dabei findet und für vertrauenswürdig hält.
In beiden Fällen gilt dasselbe Muster, das ich in der Praxis immer wieder sehe:
Die Modelle bauen ihre Antwort selten aus der Website des Unternehmens. Sie bauen sie aus Verzeichnissen, Bewertungsportalen, Branchenlisten und Vergleichsartikeln – also aus dem, was andere über Sie geschrieben haben.
Wer dort nicht vorkommt, existiert für das Modell nicht – ganz unabhängig davon, wie gut die eigene Website ist. Das ist die unbequeme Nachricht, und gleichzeitig die nützlichste: Es bedeutet, dass Sichtbarkeit in KI-Antworten nicht davon abhängt, wie schön Ihre Startseite ist, sondern davon, ob Ihr Unternehmen als Entität im Netz sauber und konsistent erfasst ist.
Der zweite Faktor ist die Frage selbst. Bei „beste Werbeagentur Deutschland" antworten die Modelle mit den großen, überall zitierten Namen – dagegen kommen Sie nicht an. Bei „Werbetechnik für Firmenwagen in der Region Trier" ist das Feld offen, weil kaum jemand darüber geschrieben hat. Der Unterschied zwischen diesen beiden Fragen ist oft der ganze Unterschied zwischen unsichtbar und genannt.
Der Selbsttest: sind Sie dabei?
Bevor Sie irgendetwas ändern, sollten Sie den Ist-Zustand kennen. Das dauert zehn Minuten und kostet nichts.
So gehen Sie vor
- Fragen Sie wie ein Kunde, nicht wie ein SEO. Nicht „Elektriker Wittlich", sondern eine vollständige Frage:
Wen kann ich in der Nähe von Wittlich mit einer Wallbox-Installation beauftragen?
Ich brauche kurzfristig Firmenschilder in Trier – wer macht so etwas?
Welcher Steuerberater in der Region kennt sich mit Grenzgängern nach Luxemburg aus? - Notieren Sie alle Namen, die fallen. Auch die Ihrer Mitbewerber. Diese Liste ist Ihr eigentliches Ergebnis.
- Fragen Sie nach: „Woher stammt diese Information?" Sie bekommen die Quellen genannt. Fast immer sind es dieselben zwei bis vier Seiten – ein Verzeichnis, ein Vergleichsartikel, ein Bewertungsportal. Genau dort müssen Sie stehen.
- Fragen Sie anschließend direkt nach Ihrem Unternehmen. „Was weißt du über [Firmenname] in [Ort]?" Prüfen Sie, ob die Angaben stimmen – Leistungen, Adresse, Öffnungszeiten. Falsche Angaben sind ein eigenes Problem und meist schnell lösbar.
- Wiederholen Sie es an einem anderen Tag. Die Antworten schwanken deutlich. Eine einzelne Abfrage ist ein Eindruck, keine Messung – das ist der Unterschied zwischen Ausprobieren und Messen.
Wenn Ihr Name nicht fällt: Das ist normal. Bei den meisten kleinen und mittleren Unternehmen fällt er noch nicht. Genau darin liegt der Vorsprung für die, die jetzt anfangen.
Die sieben Hebel, die wirklich etwas bewegen
Sortiert nach Wirkung im Verhältnis zum Aufwand. Die ersten drei kosten nichts außer Zeit.
Google-Unternehmensprofil vollständig ausfüllen
Der mit Abstand größte Hebel für lokale Unternehmen – und der, den fast alle halb fertig liegen lassen. Vollständige Kategorien, alle Leistungen einzeln eingetragen, korrekte Öffnungszeiten, echte Fotos, Beiträge. Dieses Profil ist eine der Quellen, aus denen KI-Systeme lokale Antworten bauen. Kostet nichts und ist an einem Nachmittag gemacht.
Überall denselben Namen, dieselbe Adresse, dieselbe Nummer
Wenn Ihr Betrieb im Branchenbuch anders heißt als auf der Website und die Telefonnummer in drei Varianten existiert, kann kein System sicher entscheiden, ob das dasselbe Unternehmen ist. Diese Konsistenz – im Fachjargon NAP – ist unspektakulär und wirkt stärker als die meisten Maßnahmen, für die Agenturen Geld nehmen.
In den Quellen stehen, die die Modelle zitieren
Machen Sie den Selbsttest oben und fragen Sie nach den Quellen. Dann tragen Sie sich genau dort ein: relevante Branchenverzeichnisse, Handwerkskammer- und IHK-Verzeichnisse, regionale Portale, Bewertungsplattformen. Nicht dreihundert Verzeichnisse – die vier, die tatsächlich zitiert werden.
Die Antwort in den ersten Absatz schreiben
Sprachmodelle zitieren Textstellen, die eine Frage direkt beantworten. Eine Seite, die mit „Seit über 30 Jahren steht unser Familienunternehmen für Qualität" beginnt, liefert nichts Zitierbares. Eine Seite, die mit „Eine Wallbox-Installation dauert in der Regel einen halben Tag und kostet zwischen X und Y" beginnt, schon. Schreiben Sie die Antwort nach oben, die Geschichte nach unten.
Eine Seite pro Frage – nicht eine Seite pro Keyword
Zehn dünne Seiten für zehn ähnliche Suchbegriffe konkurrieren miteinander. Eine gute Seite, die eine Frage vollständig beantwortet, wird zitiert. Bei KI-Antworten zählt das doppelt: Modelle zitieren die Seite mit der Antwort, nicht die mit der höchsten Keyword-Dichte.
Strukturierte Daten ergänzen
Schema.org-Auszeichnung – LocalBusiness, Leistungen, Öffnungszeiten, FAQ, gegebenenfalls HowTo – macht aus Fließtext maschinenlesbare Fakten. Wichtig zur Einordnung: Das allein bringt keine Nennungen (dazu unten mehr), aber es sorgt dafür, dass ein System Ihr Unternehmen korrekt erfasst statt es zu erraten.
Technisch sauber bleiben
Vollständiges HTTPS, keine Crawling-Fehler, vernünftige Ladezeiten, eine saubere Überschriftenstruktur. Das erzeugt keine Sichtbarkeit – es sorgt dafür, dass nichts anderes im Weg steht und dass Sie später wissen, woran eine Veränderung lag.
GEO, AEO, LLMO – was die Begriffe bedeuten
Vier Bezeichnungen, im Kern eine Sache. Wer sie durcheinanderbringt, ist in guter Gesellschaft: Die Branche hat sich selbst noch nicht geeinigt.
GEO – Generative Engine Optimization
Der derzeit gebräuchlichste Begriff. Sichtbarkeit in generativen Systemen, die eine Antwort formulieren statt eine Liste auszugeben. Geht auf eine wissenschaftliche Arbeit von 2023 zurück.
AEO – Answer Engine Optimization
Betont die Antwort statt die Maschine. Inhaltlich weitgehend dasselbe; der Schwerpunkt liegt stärker auf zitierfähigen, klar beantworteten Fragen.
LLMO – Large Language Model Optimization
Dieselbe Idee, benannt nach der Technik. Wird vor allem von Agenturen verwendet, die sich vom Begriff GEO abgrenzen wollen.
KI-Sichtbarkeit
Die deutsche Alltagsformulierung – und meist die, die Unternehmen selbst benutzen. Beschreibt schlicht: Wird mein Unternehmen in KI-Antworten genannt?
Praktisch heißt das: Lassen Sie sich von der Abkürzung nicht beeindrucken. Fragen Sie einen Anbieter, wie er das Ergebnis misst. Wer darauf keine konkrete Antwort hat, verkauft ein Wort.
KI-Sichtbarkeit messen statt vermuten
Der Unterschied zwischen einem Eindruck und einer Zahl, mit der man arbeiten kann.
Einmal in ChatGPT nachzusehen ist ein Anfang, aber keine Messung: Dieselbe Frage liefert an zwei Tagen unterschiedliche Antworten. Wer den Effekt einer Maßnahme beurteilen will, braucht denselben Fragensatz, regelmäßig gestellt, über mehrere Systeme, mit festgehaltenen Ergebnissen.
Sinnvoll erfassen lässt sich:
- Nennungsquote – in wie vielen Antworten der Markenname überhaupt fällt
- Position innerhalb der Antwort – zuerst genannt oder als vierte Alternative
- Zitierte Quellen – aus welchen Seiten die Antwort tatsächlich gebaut wird
- Wettbewerbsanteil – wer stattdessen genannt wird, und wie oft
- Tonalität – in welchem Zusammenhang der Name fällt
Aus meiner eigenen Messpraxis, damit die Größenordnungen greifbar sind: Bei einer Druckerei stiegen die Markennennungen über einen Messzeitraum von 4 auf rund 49, die durchschnittliche Position in den Antworten verbesserte sich von 6,3 auf 4,0. Bei einer zweiten Marke ging die Sichtbarkeit in vier Tagen von 0 % auf etwa 9 %. Beide Zahlen stammen aus datierten Snapshots – und beide haben Einschränkungen, die ich in der Fallstudie offen benenne.
Was nichts bringt
Diese Punkte werden derzeit häufig empfohlen. Nach allem, was messbar ist, bringen sie wenig bis nichts.
Schema-Markup allein
Strukturierte Daten helfen beim Verstehen, erzeugen aber keine Nennung. In einem meiner Projekte stieg der technische Readiness-Wert auf 94 von 100 – die Sichtbarkeit bewegte sich dabei nur von 1 % auf 3 %. Was die Nennungen wirklich vervielfachte, war die Arbeit an den Fragen und den Quellen.
Masse an Blogartikeln
Dreißig dünne Texte im Monat erzeugen keine Zitate. Modelle zitieren Seiten, die eine Frage vollständig beantworten – nicht Seiten, die ein Thema umkreisen.
Gekaufte Links und Web-2.0-Netzwerke
Verstoßen gegen Googles Richtlinien, können der Website schaden und werden von Sprachmodellen ohnehin nicht als vertrauenswürdige Quelle gewertet. Der Aufwand ist besser in echte Verzeichnisse und Fachbeiträge investiert.
Versprechen auf „Platz 1 in ChatGPT"
Es gibt keine Positionen in ChatGPT und niemand kontrolliert, was ein Modell antwortet. Wer das garantiert, weiß es entweder nicht besser oder hofft, dass Sie es nicht prüfen.
Und die KI-Übersichten bei Google?
Nicht nur ChatGPT verändert das Bild. Google zeigt seit 2025 auch in Deutschland KI-Übersichten – eine generierte Antwort oberhalb der Suchergebnisse. Nach SISTRIX-Auswertungen erscheint sie bei etwa 20 Prozent aller deutschen Suchanfragen, bei längeren Fragen eher 30 Prozent, und in rund 79 Prozent der Fälle über den organischen Treffern.
Wichtig für die Erwartungshaltung – und ich sage das gegen mein eigenes Interesse: Wo eine KI-Übersicht erscheint, sinkt die Klickrate deutlich. Sichtbarkeit in diesen Antworten erzeugt also oft keinen Klick. Ihr Wert liegt darin, dass Ihr Name genannt wird, während jemand eine Entscheidung vorbereitet.
Eine gute Nachricht steckt aber darin: Bei lokalen Suchanfragen erscheinen KI-Übersichten am seltensten. Wer regional verkauft, verliert also am wenigsten – und gewinnt am meisten, wenn er in den Assistenten genannt wird.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis man in ChatGPT genannt wird?
Ehrlich: Das lässt sich nicht seriös versprechen. Was ich aus eigenen Messungen sagen kann – Veränderungen am Google-Unternehmensprofil und an Verzeichniseinträgen wirken oft innerhalb von Wochen, weil diese Quellen häufig neu abgefragt werden. Änderungen, die auf das Trainingswissen der Modelle zielen, brauchen deutlich länger. In einem Fall hat sich die gemessene Sichtbarkeit innerhalb von vier Tagen verändert, das lag aber überwiegend daran, dass die gemessenen Fragen neu geordnet wurden.
Muss ich meine Website dafür neu bauen lassen?
Fast nie. Die wirksamsten Hebel liegen außerhalb Ihrer Website – im Unternehmensprofil, in Verzeichnissen, in der Konsistenz Ihrer Daten. Auf der Website selbst geht es meist um Struktur und Formulierung, nicht um Design. Wer Ihnen für KI-Sichtbarkeit sofort eine neue Website verkaufen will, sollte das gut begründen können.
Lohnt sich das für ein kleines Unternehmen?
Für lokale Betriebe eher ja als für große Marken – weil bei lokalen Fragen kaum Wettbewerb um die Nennung besteht. Bei „beste Versicherung Deutschland" kommen Sie nicht an die großen Namen heran. Bei „Wer repariert in der Region X Y?" ist das Feld offen. Der Aufwand für die ersten drei Hebel ist überschaubar und Sie können ihn selbst leisten.
Kann ich das selbst machen?
Die ersten drei Hebel: ja, und ich würde damit anfangen. Unternehmensprofil vervollständigen, Daten überall angleichen, in die vier zitierten Verzeichnisse eintragen – das kostet ein paar Nachmittage und keinen Cent. Schwieriger wird es beim laufenden Messen und bei der technischen Umsetzung. Aber niemand muss dafür bezahlen, um anzufangen.
Ist GEO nicht einfach SEO unter neuem Namen?
Zum Teil ja, und wer etwas anderes behauptet, verkauft Ihnen etwas. Die Grundlagen sind identisch: saubere Technik, klare Struktur, gute Inhalte, Erwähnungen an anderer Stelle. Der Unterschied liegt in der Zielgröße – nicht eine Position in einer Liste, sondern ob Ihr Name in einer formulierten Antwort ausgesprochen wird. Dafür zählen Verzeichnisse und Vergleichsartikel stärker als klassische Rankingfaktoren.
Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter?
An einer einzigen Frage: Wie messen Sie das? Ein seriöser Anbieter nennt Ihnen konkret, welche Fragen er trackt, wie oft, über welche Systeme, und zeigt Ihnen den Ausgangswert vor Beginn der Arbeit. Wer stattdessen über „KI-Optimierung" spricht, ohne eine Zahl zu nennen, hat vermutlich keine.
Der einfachste erste Schritt
Machen Sie den Selbsttest. Zehn Minuten, kostenlos, ohne dass Sie mit irgendjemandem sprechen müssen. Wenn Sie danach wissen möchten, wie es systematisch gemessen aussieht, schreiben Sie mir – ich schaue es mir an und sage Ihnen, was ich sehe.